Traumberuf Tanzlehrer – Martina Bretz

25-Jährige macht Ausbilung, die kaum jemand kennt

Martina Bretz hat ihren Traumberuf gefunden: Derzeit ist sie im zweiten Ausbildungsjahr zur ADTV-Tanzlehrerin. Eine Ausbildung, die kaum jemand kennt.

OBERASBACH — Andreas Lassen hat ein Problem. „Wir tun uns jedes Jahr schwer, Nachwuchs zu finden, der zum Tanzlehrer ausgebildet werden möchte“, sagt Lassen, der gemeinsam mit Ute Späth die Tanzschule Forum in Oberasbach leitet. Zum einen sei die Ausbildung kaum bekannt, klagt Lassen. Zum anderen, so glaubt er, nehmen viele Leute den Beruf Tanzlehrer nicht ernst: „Die denken, das macht man so nebenbei.“ Falsch, sagt Lassen. „Es ist ein richtiger Beruf.“

Besonders ärgert ihn deshalb, dass der Ausbildung immer noch die staatliche Anerkennung verweigert wird. Der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband (ADTV) mühe sich schon seit Jahren, diesen Status zu erreichen.

Für Martina Bretz ist das kein Grund, sich Sorgen zu machen — staatliche Anerkennung hin oder her. Die 25-Jährige aus Fürth befindet sich im zweiten Jahr ihrer dreijährigen Ausbildung zur Tanzlehrerin in der Schule von Andreas Lassen. Für sie ist es ein Beruf mit Zukunft — und obendrein ihr Traumjob.

Späte Berufung

Zu ihrer Leidenschaft hat sie relativ spät gefunden. Nach der Realschule lernte sie zunächst Bankkauffrau, wurde am Schalter aber nie glücklich. Das hat sich jetzt geändert. Wert legt sie darauf, dass ihre neue Tätigkeit mehr ist, „als Leuten ein paar Schrittfolgen beizubringen. Wir sind Freizeitgestalter, Animateure und Pädagogen“, betont sie. Als Tanzlehrer müsse man auf jeden einzelnen Schüler eingehen können: „Jede Stunde ist anders, weil die Menschen anders sind.“

Martina wurde gleich ins kalte Wasser geworfen. Seit Beginn ihrer Ausbildung gibt die 25-Jährige selbstständig Kurse. „Das ist die beste Methode, um zu lernen“, sagt sie, „man wächst daran“. Manche Unterrichtsmethoden hat sich Martina von ihren Chefs abgeschaut, ansonsten entwickelt sie ihren eigenen Stil.

Das Programm, das sie unterrichtet, ist abwechslungsreich. Die Tanzschule Forum bietet Kurse für alle Altersklassen. Ab drei Jahren kann es bereits losgehen mit Kindertanz, einer Art Bewegungsschule mit Spiel und Spaß. Außerdem gibt es Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene bis hin zum Goldstar und dem „Tanzkreis“ für die ganz Erfahrenen. Wer tanzen will wie Justin Timberlake oder Missy Elliott, der besucht den Kurs „Video-Clip-Dancing“.

Jedes Jahr Prüfungen

Martina arbeitet am liebsten mit Kindern. „Die sind zwar manchmal anstrengend, aber es kommt so viel zurück“, sagt sie. Deshalb lässt sie sich gerade zusätzlich zum „ADTV-Kindertanzlehrer“ ausbilden.

Zusätzlich zu den Kursen, die sie in Oberasbach hält, muss Martina jede Woche zwei Mal für je drei Stunden in den Theorieunterricht. Der Begriff Theorie täuscht allerdings, denn schriftlich wird hier kaum gearbeitet. Gemeinsam mit vier Auszubildenden, die sich allesamt im zweiten Lehrjahr befinden, lernt sie bei ADTV-Ausbilderin Traudl Krebs Schrittfolgen und Figuren. Am Ende jeden Jahres stehen Prüfungen an. Dabei müssen die Azubis unter anderem alleine vortanzen. „Es muss aber so aussehen, als würden wir gerade mit jemanden tanzen“, erklärt Martina. Am Ende gibt es Noten von 1 bis 6 — wie in der Schule.

Wer sich für den Beruf entscheidet, sollte nicht nur Spaß am Tanzen haben, sondern auch daran, anderen etwas beizubringen. Und ganz wichtig: „Freude am Umgang mit Menschen“, betont Martina. Voraussetzung für die Ausbildung ist ein Mindestalter von 18 Jahren, körperliche Fitness sowie der Quali. Theoretisch kann sich auch ein Tanzanfänger ausbilden lassen, das sei aber nicht zu empfehlen. Martina hatte bereits vorher alle Kurse bis zum Goldstar absolviert.

Außerdem müsse man sich bewusst sein, dass Tanzlehrer ein Full-Time-Job ist. Neben den einstündigen Kursen, von denen Martina jeden Tag zwischen drei bis sechs hält, muss sie ihren Unterricht vorbereiten, Büroarbeiten erledigen, Besprechungen führen, Bardienst in der Tanzschule übernehmen und häufig am Wochenende arbeiten: „Bei uns ist von Samstagmittag bis nachts Hochbetrieb.“

Trotz allem ist Martina mit ihrer Entscheidung glücklich: „Für mich ist meine Arbeit eigentlich keine Arbeit. Es ist mein Vergnügen.“

JOHANNES ALLES

Fürther Nachrichten, 1.Juli 2005

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