Jugendliche filmen auf Schloss Horneck

Am Ende begeistert von der abenteuerlichen anderen Welt, dem siebenbürgischen Alltag im 20. Jahrhundert, waren 15 Jugendliche, die sich am 26. September im Gundelsheimer Altenheim auf die Suche begaben nach Erinnerungen aus der Schulzeit und dabei einige Bewohner von Schloss Horneck filmten.

Das den Jugendlichen quasi versprochene „Abenteuer Siebenbürgen“ basiert auf einem Projekt des Landesverbandes Bayern der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen. Dieses wird, substanziell gefördert vom Haus des Deutschen Ostens in München, von vier Erwachsenen betreut und von Doris Hutter geleitet. Simon Spielhaupter beteiligt sich mit den Münchnern Simone Girst (15), Heike Spielhaupter (17) und Udo Roth (18) sowie Eckhard Dietrich (21) aus Mindelheim und vertritt mit ihnen zugleich die HOG Reußmarkt. Aus Augsburg stieß Margot Schneider mit ihren Töchtern Romy (14) und Jessica (12) dazu.

Annette Folkendt aus Fürth konnte Jugendliche aus der HOG Rode begeistern, die im Großraum Nürnberg/Fürth wohnen: Lysander (10) und Bettina Homm (12), Richard (12) und Corinna Taub (14) sowie Christina Zilles (15).

Doris Hutter beteiligt sich mit den Ältesten der Theatergruppe „JuThe Nürnberg“: Bernhard Adam (15), Andrea Mitru (16), Bruno Lindert (16) und Stefanie Kepp (17).

Das Projekt umfasst drei Seminare und selbstständige Arbeit der einzelnen Gruppen dazwischen. Am Ende entsteht ein Film, der sowohl einige Zeitzeugen als auch nachgespielte Szenen oder Spiele aus Siebenbürgen präsentiert. Die Jugendlichen interviewen, filmen, spielen Theater und erfahren Neues, u. a. auch, wie man einen Film macht. Daneben gibt es Unterhaltung und Spaßangebote.

Ein gemeinsamer Besuch im Schulmuseum Kornwestheim am 25. September weckte Neugier und formte den Spürsinn. Irmgard Sedler, die Leiterin des Museums, als Siebenbürger Sächsin genau die richtige Fachfrau für dieses Projekt, verstand es geschickt, von der allgemeinen alten Schule in Baden-Württemberg auf die Besonderheiten der Schule in Siebenbürgen hinzuweisen und interessante Details aufzuzeigen, die bei den folgenden Interviews gerne aufgenommen wurden. Im historischen Klassenzimmer konnten die Jugendlichen u.a. eine Schiefertafel „begreifen“ und beschreiben, eine Mausefalle bestaunen und alte Schulbänke ausprobieren, ja sogar in zeitgemäßer Kleidung einige Szenen spielen und filmen. Jessica: „Es macht Spaß, man lernt was draus und erfährt viel, was man nicht gewusst hat!“ Einen Besuch in diesem Schulmuseum können wir nur empfehlen!

Nach dem Mittagessen in Gundelsheim ruderten wir auf dem Neckar in Dreier- bzw. Vierer-Kanus zwei Stunden von Bad Wimpfen bis Gundelsheim, ein tolles Erlebnis bei herrlichem Wetter. Danach wurde im „Ferienhof Schäfer“ wieder geschuftet: Erst gab Doris Hutter wichtige Tipps zum Filmen und Befragen, dann wurden die Fragen für die Interviews zusammengetragen. Gustav Binder, der Fachberater in Gundelsheim, las abends noch zwei Geschichten aus Bernhard Ohsams Buch „Wölfe und Musik“, die über Eigenarten, auch Spitznamen aus Siebenbürgen bis zum kleinen Balthasar, dessen Kopf in einem Nachttopf eingeklemmt war, führten. Zigeunerische Flickkunst auf dem Prüfstand wird in Verbindung mit dem „Potschamperl“ urkomisch dargestellt. Bettina später: „Ich war soo müde, ich wäre fast eingeschlafen, aber ich wollte nichts verpassen!“

Sonntag, 9 Uhr, erwarteten sieben Senioren auf Schloss Horneck mit gemischten Gefühlen die Jugendlichen. Zaghaft begrüßten diese Gertrud Fröhlich, Gerda Henning, Ottilie Tausch, Gertrud Theil, Helga Wlassak, Wilhelm Keul und Johann Klammer. Man bildete drei Gruppen und ging auf die Zimmer der Senioren, setzte sich um sie herum und filmte ihre Erzählungen. Schnell entwickelte sich ein vertrautes Oma/Opa-Enkel-Verhältnis, so dass nach drei Stunden beiderseits Lob und Begeisterung zu hören waren. Beim Mittagessen mit den Bewohnern des Altersheimes wurden die Erlebnisse weitererzählt und gute Stimmung verbreitet. Ein Besuch im Siebenbürgischen Museum unter der Führung von Gustav Binder weckte Anerkennung für die Exponate. Man war schon ein wenig bewandert in der Materie, konnte an eben Gehörtes anknüpfen – und plötzlich wurde das, was ausgestellt war, interessanter.

Gerne stellte man sich zum gemeinsamen Foto auf und debattierte angeregt beim Schlussgespräch über die weiteren Schritte. Simone fasst die gemeinsamen Erlebnisse zusammen: „Das Wochenende war echt cool! Wir könnten uns jetzt fast schon als Experten auf dem Gebiet ‚Schule früher’ bezeichnen, auch wenn die Menge an Informationen einen ganz schön überrollt hat. Ebenso interessant wie informativ waren die Interviews mit den Zeitzeugen aus dem Altersheim am nächsten Tag. Der anschließende Besuch im Museum rundete das Wochenende gut ab, und so fuhren wir am Nachmittag müde und erschöpft, aber um einiges Wissen reicher wieder nach Hause.“

Doris Hutter
Siebenbürgische Zeitung Online, 10. November 2004

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